Gänseblümchen (Dialekt-Text)


Du siehst & hörst hier nichts? Dann hol dir die Soundcloud-App!

„Oma, loss des stehn
und setz di her do kurz zu mir“
I nimm mein Laptop, klapp eam auf,
klick zwamoi und präsentier´
die Website auf der meine Slamtexte stehn
jo, de san im Internet und
jo, des kaun a jeder sehn

I schau da zua wiast die Zeuln verschlingst
voi konzentriert und superschnö
du nickst, du lachst, dann schaust mi au
und sogst: „Des is super, waast des eh?!
Do draußen gibt’s so vü Potschochta
owa i hob a blitzgscheide Enkeltochta!“

Du bist so stoiz, des kaun I sehn
und sogst du wiast boid amoi gehn
zu so am Slam, weust scho neigrig bist
I werd di erinnern, wenns wieda soweit is

„Oma, loss des stehn
kumm I hob net so long Zeit
zomrama kannst a späda
I bin glei wieder weit

weit weg, in meina Wöd
jo na, geht ma guad
hob vü z´tuan, z´wenig Göd
jo passt scho, manchmoi is hoid hoat
owa waast eh, i pock des immer
weu waun ma an wos glaubt
dann wird’s besser und net schlimma“

Du schaust mi au mit traurige Augen
ois wissast nimmer wos I man
deine Tog und Nächte saugen
di aus, des siech i da an
und waun i frog wia´s da geht
sogst ma:

„Ois is oasch…
waast, friara woa´s besser
manchmoi hoid i´s echt net aus
seit er weg is, is so stü
dass i am liabsten schreien wü

mog nimma rean und nimma denken
daun geh i ausse in mein Gartn
muas mi irgendwie oblenken
mei Leb´n hot sein Sinn verluan…

Die Nochbarn nua deppat
de Hackla san z´laut
die Autos foan z´schnö
de Heisa schiach baut

die Leit san foisch
und fett und bequem
des Essen is teia und verseicht
olle korrupt im Gesellschaftssysstem
und Schreibm und Rechna
foit aa kaan mehr leicht…“

Du steigerst di schon wieda eine
in des Elend dieser Wöd
und regst di über ollas auf
was die Zeitung so dazöht

I probier neutral zu bleibn
di aufzumuntern irgendwie
doch waun i merk es g´lingt ma net
dann sog i tschüss und bin dahi

I waas i soitat efta do sein
soit zuahearn wonnst vom Kriag dazöhst
und di hoidn wonnst waanst
waunst vom Opa redst und di moi wieda zu vü quööst

zu Allerheilign woast bes
weu kana mit dir zum Grob gongan is
I waas du hättst mi bei dir hom wolln
und I hätt dann net bled mit dir streitn solln
sondern glei des sogn worum´s letztlich ging:
„Nächstes Joa, Oma, do geh i hin..“

Und des Versprechn hob i ghoidn
des ollas woa…vor knapp an Joa
heier bin i do am Grob
waun a net so wias ausgmacht woa

I homma docht i leg mein Oam um di
wemma do vorm Opa stehn
an dem Tog an dem die Leit hoit
Verstorbene besuchen gehn

Gedankenverlorn dreh i
a Gänseblümchen zwischen di Finga
des hob i gsegn am Weg doher
und homma docht, des wü i bringa

Auf dem Grobstaa steht dei Name
drunter a Datum des ma sogt
a waun i´s no immer net glauben mog
dass i seit März a ka Oma mehr hob

Scheiße….Oma, i vamiss di
immer wieder, afoch so
mecht da so gern ois dazöhn
owa du bist nimma do

Und während i do steh
und wortlos Dialoge fiar
gspia i in mia ganz genau
mei Oma is net wirklich hier

weu auf der faulen Haut rumliegen
das woa dir immer scho a Graus
I schätz du grobst im Himmel um
reißt gekonnt des Unkraut aus
schaust, dass de Samen guat überwintern
und mochst de ondan Leit do obn
jedn Tog Feia unterm Hintern

Muas immer wana und lochn
waun i an di denk
weu dei Enkelkind zu sein
des woa a wirklich guades G´schenk

Woast a richtig wüde Henn
bist damois in de Sechzger
ois gschiedane Frau Motorrad gfoan
host zwa Kinder groß zogn
die net unterkriang lossn
und woast scho mei Heldin
kaum woar i geborn

Du host imma an mi glaubt
waun ondre mi belächelt hom
du woast imma stoiz auf mi
host mi aufs Podest gehobn
und waun i verzweifelt bei dir gsessen bin
host gsogt: „Owa geh – mia zwa kriang des hin!“

Bei deiner Grobred hot di Mama gmaant
du woast so wia a Gänseblümchen
kla owa stoak
unbezwingboa und wüd
a ewig treuer Frühlingsbote
der bis in November eine blühd

Waun i seither a Gänseblümchen seh
bleib i kurz steh
und dann werd i ganz stü
weu i afoch ned weidagehn wü
ohne fest an di zu denken
und dir egal wo´st du grod bist
a Lächeln und ganz vü Liebe zu schenken

Steh immer no do vua eicham Grob
leg´s Gänseblümchen zärtlich hin
küss den koidn, weißn Marmor
zupf die Pflanzn zrecht
weu I so wie du bin

„Pfiati God!“, hätt da Opa gsogt
I hoff eam geht’s guad, und dir jetzt aa
I wünsch ma so sehr dassd jetzt glicklich bist
und nie nie mehr wieder ganz alaa.

Reimfieber zum Einstecken

Ach ist das schön: Soeben vom Deutschland-Kurztrip zurückgekommen und schon sind sie da: Die Reimfieber-Visitenkarten!!

Visitenkarten ReimfieberMan sieht das am Foto jetzt nicht so, aber sie glänzen an manchen Stellen, wenn man sie kippt…den Special Effect hab ich mir gegönnt 🙂
Hab eine Riesenfreude und freu mich, dass ich meine Kontaktdaten künftig nach den Auftritten nicht mehr auf Taschentücher oder Kassabons schreiben brauche 😉

Der nächste Auftritt darf gerne bald kommen..

Slam-Shots fürs Volk

Ein weiteres Schmuckstück in meiner Erfahrungssammlung: Slammen mitten im lauten Großstadtdschungel!

mahiUnd zwar da, wo ich schon ich-weiß-nicht-wie-oft zum Einkaufen unterwegs war, in die Arbeit gehetzt bin oder am Weg ins Museum, zum Arzt oder sonstwo hin herumflaniert bin (das reimt sich, und was sich reimt, ist gut 😉 )

Das Rahmenprogramm der Eröffnungsfeier der endlich fertig umgebauten Mariahilfer Straße (größte Shopping-Meile Wiens) konnte sich wirklich sehen lassen: Music-Acts, Kletterwände, Bungee-Run, Picknick-Wiese, jede Menge coole Angebote für Kids und dann…

mahü1_2…gab es noch den „Kulturlounge Poetry Slam“ powered by Radio Ö1, wo ich mit insgesamt 14 KollegInnen für literarische Unterhaltung sorgen durfte.

Für gewöhnlich finden sich Menschen ja nicht völlig ahnungslos in Poetry Slams wieder.
Am Samstag ging es im Laufe des Tages allerdings bestimmt Tausenden so, dass sie unverhofft Augen- und Ohrenzeugen davon wurden, dass es Menschen gibt, die sich mit selbstgeschriebenen Texten auf Bühnen stellen, um das Publikum für einige Minuten in verschiedene Welten eintauchen zu lassen.

mahi3_1Für uns, die wir auf der Bühne standen, eine Herausforderung der besonderen Art – inmitten von Lärm und Passanten, die sich kreuz und quer zwischen Publikum und Bühne durchschieben, seine Performance abzuliefern, ist nicht ohne!
Umso stolzer war logischerweise, wer es schaffte, dass die Leute plötzlich langsamer wurden und sogar stehen blieben bzw. sich auf die bequemen Sofas setzten, um ein wenig zuzuhören.

Tja, was soll ich sagen – Challenge gemeistert 🙂
mahi4_2Mein Ergebnis: An 2 Battles teilgenommen und beide gewonnen dank Publikum.
Mein Highlight: Ich wurde erstmals um ein Foto mit einem Fan gebeten, haha, der Typ war mir nicht wurscht!
Mein Fazit: Es wird jetzt wirklich Zeit für Visitenkarten – die Frage „Wo, bitte, finde ich diesen Text?“ jedesmal mit „Auf meiner Webseite…hm…haben Sie was zu Schreiben dabei?“ zu beantworten und dann auf Taschentücher oder sonstige Papierln zu kritzeln, ist nicht mehr so charmant wie es am Anfang war.

mahi8_2Schön wars.
Könnt ich jede Woche machen.
Aber dann wär´s wohl nichts Besonderes mehr.
Momentan ist es perfekt so 🙂

Von wegen Sommerpause!

Hab ich mir doch tatsächlich gedacht, die Wiener Slam-Szene hält bis Oktober Siesta und es tut sich bis auf 1-2 Ausnahmen vermutlich nichts…haha, sowas von weit gefehlt 😉

Vor ein paar Tagen hab ich ein Castingvideo für ein geplantes Slam-Projekt des ORF aufgenommen und eingereicht. Bin schon sehr gespannt, ob´s den Leuten gefällt…wenn ja, dann halt ich euch natürlich auf dem Laufenden.

Anfang Juli bin ich zum Agora-Slam am Donaukanal spaziert…hab mich hingesetzt, wollte einfach nur zuhören. Am Ende des Abends stand ich vis-a-vis vom Schwedenplatz unter freiem Himmel als Siegerin auf der Bühne.
Tja, so kanns gehen!

Eine Woche später fand der Stummgabel-Slam (sehr lässig) statt und tags darauf der Lustspielhaus-Slam als wohl geilste (sorry, is so!) Poetry Slam Veranstaltung der ich je beiwohnen durfte bislang.
Ehrlich, ich strahle jetzt noch wenn ich daran denke, was für großartige Wortwasserfälle und Performances es da mitten im 1. Bezirk zu bestaunen gab….und jaaa ich geb zu dass ich bereits davon träume, nächstes Jahr auch ins Line-Up zu kommen 🙂

Aber das ist Zukunftsmusik.

Viel aktueller: Mein nächster Auftrittstermin!!!
Am 1. August darf ich im Rahmen der Eröffnungsfeier der Mariahilfer Straße mit ein paar KollegInnen um die Gunst des hoffentlich zahlreich vorhandenen Publikums rittern, yiiiha!
Kommt vorbei, das wird lustig – Details findet ihr wie immer unter Termine 🙂

Alles Liebe & genießt den Sommer!

Finale vor der Sommerpause

Einmal geht´s noch..

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag (26.6., 00.08 – 01.00 Uhr) habe ich die Ehre, Studiogast im „Nachtquartier“ beim Radiosender Ö1 zu sein. Wer da schon schläft, kann zwar nicht live anrufen, sich die Sendung aber noch eine Woche lang hier anhören. Worum es gehen wird? Hier die Programminfo 🙂

Leute, ich freu mich.
Über ein märchenhaftes 1. Halbjahr 2015, auf die dringend (!!) nötige Sommerpause und auf neue Texte, Projekte & Co., die bestimmt nicht lange ausbleiben werden 😉

dankeMacht´s gut, und wir lesen/hören uns!
Es ist schön, dass ihr mich auf meinem spannenden Weg begleitet.

Titelverteidigung PH-Slam: Check!

Nachberichterstattung

Der Termin: 2. Juni.
Die Veranstaltung: 2. PH-Slam.
Die Location: PH Wien (Pädagogische Hochschule, 1100 Wien)
Das Wetter: Ein Traum.
Der Moderator: Großartig, wie immer.
Die PoetInnen: Gut drauf und motiviert.
Das Publikum: Dezimiert, aber begeistert.

2nd PH-Slam„Daheim“ ist es am schönsten, und in Bezug auf Poetry Slam ist die PH tatsächlich die Heimat, der Ursprung, der Ort, an dem alles begann vor etwas mehr als einem Jahr.
Dieses Mal war ich ja nicht nur Teilnehmerin, sondern auch Mitorganisatorin der ganzen Veranstaltung, die ursprünglich aus diversen Gründen gar nicht hätte stattfinden sollen. Tja, was soll ich sagen…es lief vieles nicht ideal aber das war letztlich egal – der Slam fand statt.

Und das Publikum hat entschieden, dass ich am Schluss den Pokal mit nach Hause nehmen durfte 🙂

DANKE an alle, die dabei waren, danke an die PH, danke an die Technik, danke für die Fotos, danke an die Sponsoren,…
(ich hab diese Danksagungen früher nie verstanden, aber wenn man selbst mal so ein Projekt organisiert weiß man die Menschen, die involviert waren, so zu schätzen dass man gar nicht anders kann als sich zu bedanken)!

Die ganze Veranstaltung wurde übrigens aufgezeichnet – wer möchte, kann sie hier nachhören!

phslam_collage

philo.slam – Meine unvergessliche Nacht der Philosophie

Du sollst den Tag nicht vor dem Abend verfluchen

Der heutige Tag begann ziemlich mühsam: Stress und Herumgehetze zwischen 3 sich überschneidenden Seminaren, eine ziemlich lächerliche Anwesenheitsdiskussion und das schier unmögliche Unterfangen, einen Exkursionstermin zu koordinieren. Wie auch immer, ich hatte bereits am Morgen offiziell beschlossen, mir am Nachmittag frei zu nehmen, um für den bevorstehenden Abend vorschlafen zu können – und das hab ich dann auch getan.

Der Weg zum Veranstaltungsort hätte im Idealfall eine halbe Stunde gedauert – doch irgendwie hatte ich Öffi-Pech; sowohl der Bus als auch die U-Bahn als auch die Straßenbahn sind mir jeweils vor der Nase davongefahren. Der kalte Wind blies durch die Straßen und es regnete leicht. Ich war nervös, denn ich sollte schon vor Ort sein. Schrieb dem Veranstalter eine SMS, dass ich unterwegs war und sie nicht ohne mich anfangen sollten. Er beruhigte mich mit den Worten: „Kein Stress“. Okay.

Überraschungen

Endlich angekommen fühlte ich mich zum ersten Mal an diesem Tag „richtig“. Auf den ersten Blick keine bekannten Gesichter aber eine gemütliche Location mit Wohnzimmeratmosphäre, und Moderator und Veranstalter begrüßten mich freudig. Ich ließ meinen Namen auf die Liste setzen und suchte mir einen Platz. Mein Blick streifte durch die immer voller werdenden Sitzreihen und blieb an der Bar hängen – ha, da saß doch tatsächlich eine meiner Seminarleiterinnen (ironischerweise genau diejenige, der ich am Morgen geschrieben hatte, dass ich am Nachmittag nicht in ihr Seminar kommen würde). Sie strahlte mich an und begrüßte mich mit: „Wie schön, ich hatte gehofft, Sie heute hier zu sehen!“ Der Ärger des Tages war verflogen. Ich krallte mir den Stuhl gleich neben ihr und wir plauderten und lachten, bis Moderator Markus schließlich den Abend eröffnete.

Nach dem üblichen Anfangsprozedere (Regeln erklären, Jurytafeln verteilen, Applausübungen sowie Schnipstraining und Extrapunkt-Regel usw.) wurde die Reihenfolge der Auftritte gelost. Die Glücksfee zog den Zettel mit meinem Namen als erstes aus dem Beutel, ihm folgten 5 weitere Namen. Okay, ich hab noch ein paar Minuten, dachte ich.
Nichts da – anstelle des Opferlamms (traditionellerweise wird ja zu Beginn außer Konkurrenz ein Text vorgetragen, um das Publikum einzustimmen) kündigte Markus sofort mich an und bevor ich wusste, was los war, hatte mich der Applaus ans Mikrofon getragen.

Die Vorrunde

Zur Auflockerung erzählte ich eine kurze Geschichte zur gänzlich ungeplanten Entstehung des Textes, der nun folgte. Der Vortrag lief gut, ich war zufrieden, und dem Applaus nach zu urteilen hat´s dem Publikum auch gefallen. Ich nahm wieder Platz. Nach dem 2. Text kam das erste Voting des Abends. Ergebnis: Punktegleichstand. (Üblicherweise kommt der/die Bessere weiter ins Finale – Markus hatte aber schon im Vorfeld entschieden, dass es heute kein K.O.-System geben würde sondern am Ende der Vorrunde die beiden PoetInnen mit der höchsten Punktezahl aufsteigen würden). Nach der Vorrunde gab es einen Sieger, und mit nur einem Punkt Abstand lagen drei PoetInnen ex aequo auf Platz 2. Ich war eine davon, und mit der Aussicht auf ein Vierer-Finale schickte uns Markus in die Pause.

Normalerweise dauern mir die Pausen immer viel zu lange, doch diesmal schien sie mir fast zu kurz! Vor lauter Plaudern mit Leuten, die mich über meine Texte und andere Veranstaltungen ausfragten oder mir sagen wollten, dass ihnen mein Text gefallen hatte (das geht jedes Mal runter wie Öl, Leute, JEDES MAL!!), hatte ich mich viel zu spät in die Kloschlange eingereiht. Markus kündigte an, dass es gleich weitergehen würde, und plötzlich wurde ich mit den Worten „Sie müssen ja gleich wieder auf die Bühne!“ vorgelassen. Haha, das hatte etwas von VIP-Feeling.

Das Finale

Meine Seminarleiterin, die schwer begeistert von dem Abend war (ihr erster richtiger Slam), entschloss sich, nicht wie geplant in der Pause zu gehen sondern sich auch das Finale anszusehen. Die Reihenfolge der Auftritte wurde erneut gelost – diesmal aber nicht im Vorfeld, sondern Markus zog der Spannung zuliebe immer nur einen Zettel aus dem Beutel. Ein Teil von mir verfluchte ihn dafür – als ob das Ganze nicht schon so aufregend genug wäre!?! Ich war letztlich Nummer 4 und fand das sehr amüsant; ist mir noch nie passiert, dass ich einen Abend sowohl eröffne als auch beschließe 🙂

Während ich kurz mit dem Publikum plauderte, als Intro für meinen folgenden Text, ging die Tür auf und zwei mir bekannte Gesichter betraten den Raum. Offenbar kamen die beiden Kollegen gerade von einem anderen Slam – es gab an diesem Abend mehrere Veranstaltungen. Mit einem von ihnen bin ich bereits auf der Bühne gestanden, der andere (für mich der Keith Richards der heimischen Slam-Szene) kannte mich noch nicht. Obwohl mein Herz plötzlich bis zum Hals schlug ließ ich mich nicht ablenken (echt, manchmal staune ich über meine Souveränität in solchen Situationen) sondern begann, meinen Text vorzutragen, blendete alles andere aus und genoss diese paar Minuten, begleitet von gebannter Stille im Publikum, in vollen Zügen.

Das Voting

Danach nahm ich wieder auf meinem Sessel Platz und es folgte das letzte Voting des Abends. Ich konnte von meinem Platz aus die Punktetafel auf der Bühne nicht sehen und orientierte mich an den Votingkarten, welche die über den ganzen Raum verteilte Jury auf Kommando in die Luft hielt. Plötzlich sah ich mehr 10-Punkte-Karten als bislang an diesem Abend, die Stimme des zählenden Moderators vermischte sich mit mit Jubelrufen, Klatschgeräuschen, aufmunternden Blicken in meine Richtung und einem ziemlich schwammigen Gefühl in meinem Kopf…ich überschlug das Ergebnis, irgendwie fehlte es mir an Konzentration…dann forderte das Publikum den berühmten „Extrapunkt“ ein, der im Finale doppelt zählte und ich weiß nur noch, dass ich da saß, ungläubig den Kopf schüttelnd und zugleich wissend, dass dies ein magischer Moment war. Markus verkündete amüsiert: „Wir haben eine Siegerin – aber wir verraten es ihr noch nicht!“ und rief noch einmal alle PoetInnnen des Abends auf die Bühne.

Die Siegerehrung

philoslam2015Die folgenden Minuten erlebte ich wie im Halbschlaf. Markus verteilte Bücher an alle TeilnehmerInnen, las noch einmal das Endergebnis vor und hängte mir das „Spendensackerl“ (ein Beutel, der im Laufe des Abends durch das Publikum wandert und allen die Möglichkeit gibt, irgendetwas für den Sieger hineinzuwerfen) um den Hals.

Während er sich bei uns und bei den Veranstaltern bedankte wanderte meine Hand in seine Richtung und griff nach dem Mikrofon (es ist Tradition, dass der Gewinner des Abends sich abschließend beim philoslam2015_1Moderator bedankt und kräftigen Applaus für ihn einfordert). Markus hörte nicht auf zu reden, machte Werbung für andere Veranstaltungen oder sonst etwas, ich weiß es nicht mehr. Unter allseitigem Gelächter und mit verschmitztem Blick ins Leere zog ich ihn samt Mikro immer näher an mich heran, bis er schließlich fast kippte, das Mikrofon losließ und ich die letzten Worte an das Publikum richten konnte.

Freudentaumel und ein Kniefall

Glückwünsche, Handshakes, Küsse, Umarmungen, Schulterklopfer, anerkennende Blicke und Kommentare begleiteten mich zurück zu meinem Platz. Das alles fühlte sich total surreal an. Meine Seminarleiterin strahlte und ich kam mir vor als könnte ich nie wieder aufhören zu grinsen. Da kam einer der beiden verspäteten Kollegen auf mich zu, gratulierte und erklärte mir, dass sie (wie vermutet) gerade von einem anderen Slam gekommen waren, bei dem er gewonnen hatte. Ich freute mich für ihn und plötzlich stand der zweite Kollege (ihr erinnert euch, „Keith Richards“, besser bekannt als „Tschif“) vor mir. „Also ich hab ja leider nicht alles gehört, aber das war schön…das war soooo schön…wirklich schön…“, und zu seinem Kollegen fuhr er fort: „…und wieso kennst DU diese Frau und ich nicht?!“ Ich musste lachen.

Er erzählte mir etwas über einen Slam, den er im Süden des Landes regelmäßig abhielt und als er mich fragte ob ich ihn auf Facebook adden würde und mir gerade seinen Namen nennen wollte, erwiderte ich: „Werd ich machen, Tschif!“ Er stockte und ich ergänzte lachend:“Na, nur weil du mich nicht kennst brauchst du ja nicht glauben, dass ICH nicht weiß, wer du bist!“ Er sah mich an, ging vor mir auf die Knie, nahm meine Hand und küsste sie. Dann stand er wieder auf und fragte: „Hat dir heute eigentlich schon jemand gesagt, wie bezaubernd du bist?“ Ich tat kurz so, als würde ich nachdenken und erwiderte: „Nein, heute noch nicht!“ Tschif brach in schallendes Gelächter aus und rief dem Kollegen zu: „Die Frau ist großartig!“

Vielen Dank für die Blumen

Ich verabschiedete mich von allen, die ich kannte, plauderte am Weg nach draußen noch mit ein paar Menschen und machte mich auf den Heimweg. Da ich nicht auf die Straßenbahn warten wollte, ging ich die knapp 1,5 Kilometer zur U-Bahn zu Fuß. Der Wind war eisig, aber das machte mir nichts aus. Vollgepumpt mit Glückshormonen schickte ich SMS an sämtliche Leute, die mir einfielen – wohl um sicherzugehen, dass ich morgen früh nicht glaubte, der Abend wäre bloß ein Traum gewesen. Ich war nicht darauf gefasst, dass noch so viele von ihnen munter waren…jedenfalls war ich eine gute dreiviertel Stunde mit SMSen und Telefonieren beschäftigt, sodass ich plötzlich vor meiner Haustür stand ohne mich tatsächlich an den Heimweg erinnern zu können.

Zuhause angekommen inspizierte ich dann auch meinen Gewinn – und das war wirklich lustig 😉

philoslam_gewinnphiloslam_gewinn1

 

 

Wofür es sich zu leben lohnt

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Er hat ein Boot, einen Jet-Ski,
ein riesiges Haus,
sie hat ein Pferd, einen Hund,
eine Wüstenspringmaus,
du hast drei Autos, zwei Motorräder
und eine Designercouch – natürlich aus Leder
wir haben Notebooks, iPads, Smartphones
und sämtliche Staffeln von Game of Thrones

sie wünscht sich Schmuck mit Diamanten
du hättest gern einen echten Elefanten
einfach nur so, denn es wär doch ganz cool
und er träumt schon lange
vom Garten mit Pool

wir strengen uns an
und kaufen uns Sachen
in der Hoffnung,
dass sie uns glücklicher machen
Wellness, Luxus, 200 Paar Schuhe
die Konsumgesellschaft kennt keine Ruhe
doch..

Wofür es sich zu leben lohnt
kann dir da draußen keiner sagen
drum hat´s auch eher wenig Sinn
den Karotten nachzujagen
die anderen Menschen gut gefallen
weil wir, wenn wir´s dennoch tun
irgendwann auf Mauern prallen
und fallen …
in eine Leere, in ein Vakuum
von unendlicher Schwere
dem wir trotz vieler Strategien
meist doch nur auf Zeit entfliehen

Der Bachelor in Betriebswirtschaft
das Masterdiplom in Philosophie
ein Doktorat in Naturwissenschaft
oder auch – gar keine Theorie
sondern
Hackeln am Bau
mal nüchtern, mal blau
Taxi fahren, Post austragen
Drinks servieren, Verbrecher jagen

als Lehrer Kinder unterrichten
als Rechtsanwalt Streitfälle schlichten
für den Staat Beweise vernichten
als Reporter im Fernsehen berichten
von einer Welt
in der uns vieles nicht gefällt
und doch tangiert´s uns nicht genug
dass wir was ändern an dem Spuk

Wofür es sich zu leben lohnt
das kann dir niemand anderer sagen
drum hat´s auch eher wenig Sinn
die Gesellschaft anzuklagen
wenn uns all die Möglichkeiten
oft mehr Stress als Spaß bereiten
und wir in reizüberfluteten Zeiten
eher hetzen als in Würde zu schreiten
wenn wir verleugnen und verdrängen
dass wir uns in Schuhe zwängen
die wir niemals tragen wollten
bevor Konventionen uns überrollten

Wir können Bilder malen
oder Bücher schreiben,
viel reisen oder zuhause bleiben,
auf Bühnen stehen, fotografieren,
Geschichten erfinden, Songs komponieren,

Comics lesen, Sprachen lernen,
Wolken zählen, Obst entkernen,
Radfahren, Laufen, Surfen, Schwimmen
im Fitnesscenter Muskeln trimmen

die Nachbarn jeden Tag verfluchen,
wandern gehen, Museen besuchen
Briefmarken und Pilze sammeln
oder nur am Sofa gammeln

Wofür es sich zu leben lohnt
das kann dir niemand anderer sagen
drum hat´s auch eher wenig Sinn
keine Verantwortung zu tragen
für das, wonach dein Herz sich sehnt
und was deine Lippen zum Lächeln dehnt
denn wer kann dich tatsächlich zwingen
dein Leben „erwartungsgemäß“ zu verbringen?

Reichtum, Macht und Heldentum
Selbstverwirklichung und Ruhm
oder doch Moral und Wahrheit
Liebe, Ehrlichkeit und Klarheit

Freiheit, Fantasie und Fairness
Kreativität und Coolness
Humor, Respekt, Zusammenhalt
Rebellion frei von blinder Gewalt

Freundschaft, Offenheit, Vertrauen
auf welche Werte willst du schauen?

Was kann dir den Tag versauen,
wo bist du total dagegen und
was kann dich rasch wieder aufbauen
und schützt dich auch im schlimmsten Regen?

Wofür es sich zu leben lohnt
das kannst nur du für dich entscheiden
ich glaub, wir sind nicht auf der Welt
um standhaft vor uns hinzuleiden

wenn du merkst, es wird zu viel
dann erlaub dir, aufzuwachen
denn das Leben ist ein Spiel
und es darf dir Freude machen

Stell dir Fragen, die dich dazu bringen
über all deine Schatten zu springen
bis in dir die Gewissheit wohnt:
Das ist es, wofür mein Leben sich lohnt.

It goes on…and on…and on

Jeden Tag was Neues – so kommt es mir derzeit oft vor!

Mittlerweile bekomme ich mehr Anfragen und Auftrittsangebote, als ich aus Zeit- und Energiegründen wahrnehmen kann. Mich kontaktieren jetzt auch schon Leute, die ich gar nicht kenne bzw. die mich nicht kennen, weil ich ihnen von jemandem empfohlen wurde – ich sag´s euch, ich freu mich jedes Mal wie ein kleines Kind!!!

Gestern kam die Anfrage, ob ich am Freitag Abend spontan in der berühmten Cselley-Mühle auftreten will – ja, ich will 🙂 (Alle weiteren derzeit bekannten Termine bis zur Sommerpause findet ihr übrigens hier!)

Was mich auch total freut: Seit heute bin ich auf poetryslam.at offizielles Mitglied der österreichischen Slam-Szene…YEAH!

Aber mein aktuell größter (weil wirklich hart erkämpfter) Erfolg:

2nd PH-SlamLetztes Jahr hab ich ja den PH-Slam gewonnen; dieses „Heimspiel“ war nicht nur extrem cool, sondern auch rückblickend betrachtet der Beginn meiner Slam-Karriere. Doch heuer sollte dieser aus verschiedenen organisatorischen Gründen nicht stattfinden!

Naja, wer mich kennt, weiß: Ich akzeptiere nicht gerne ein usprüngliches „Nein“.
Hab das Ganze also in die Hand genommen, mich von diversen Hürdenläufen und Rückschlägen nicht entmutigen lassen, und jetzt…findet im Juni der 2nd PH-Slam statt…ich bin mehr als stolz 🙂

Und als ich gestern Abend von der wohl zauberhaftesten Veranstaltung aller Zeiten (Spell-out; ein Wettstreit zwischen hochkarätigen Slam-PoetInnen und Zauberkünstlern…weltweit einzigartig und absolut empfehlenswert) nach Hause kam, hat mein Kopf wieder zu reimen begonnen.

Was bedeutet: Es gibt wohl bald wieder neue Texte…

Hier kommt was für die Ohren!

Puh! Hinter mir liegen zwei seeeehr arbeitsintensive Tage, in denen ich viele coole, neue, spannende Dinge ausprobieren und lernen konnte. Was ich gemacht hab?
Etwas, das seit Jahresbeginn auf meiner Wanna-Do-Liste steht…

Homestudio CHECK!Zugegeben, ich hab mich ein wenig davor gedrückt, meine Slamtexte zu vertonen, weil ich nicht wusste, wie ich das technisch am besten anstelle.

Aber das Leben hat mir plötzlich GENAU die richtigen Leute und Infos geschickt, und auf einmal…bin ich Podcasterin, yeah!

Macht total Spaß und ich hab auch schon wieder so kleine leise Geistesblitze im Hinterkopf, was ich in diese Richtung noch alles anstellen kann in Zukunft…

 

Sorry, ihr wollt jetzt eigentlich nur meine Texte hören, stimmts?
Na dann los – stürzt euch direkt drauf!

Ich wünsch euch viel Spaß und freu mich über Feedback 🙂

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