Zeitgeschehen

 

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Ich bin engagiert, nehm mir gerne viel vor
nur oftmals wird daraus ein Eigentor.
Weil A plötzlich viel länger dauert
und B noch auf sich warten lässt,
weil ich wegen C zu spät komm
und D mich dann auch noch stresst

sodass die Euphorie des Morgens
am Abend der Erkenntnis weicht:
Den ganzen Tag war ich beschäftigt
und ich hab fast nichts erreicht.

Dabei geb ich mir echt Mühe!
Im Planen bin ich wirklich gut
Erfahrung hätt ich auch genug
woran liegts? Ich fühle Wut

denn früher waren die Zeit und ich
ein richtig gutes Team
doch seit ´ner Weile haut das mit uns
einfach nicht mehr hin

und während ich so rätsle, bei wem
denn jetzt der Fehler liegt
fallen meine Augen zu,
das Sandmännchen hat mich besiegt
und in einen Traum geschickt …

Düst´re Stimmung, wie bei „Matrix“.
Ein Raum, ein Tisch, ein Telefon.
Ich geh drauf zu und hebe ab
hey, da ist ein Freizeichenton
grad möchte ich wählen, da wird es still
und ´ne Mailbox springt an,
die mir sagen will:

„Hier spricht die Zeit – tick tack
tut mir unendlich leid – tick tack
hast mich grade verpasst – tick tack
sei doch morgen mein Gast – tick tack.“

Ich denk mir „okaaay“ und leg wieder auf
doch der Traum nimmt seinen Lauf …
das Telefon klingelt, ich heb nochmal ab und
die Stimme von eben, die lacht sich fast schlapp:

„Das war ein Scherz – so viel Zeit muss sein,
Humor entspannt mich ungemein!
Doch Smalltalk, der nervt mich,
also sag an, was ich für dich tun kann!“

Du liebe Zeit! Es gibt so viele Fragen
die liegen der halben Menschheit im Magen,
wo fang ich bloß an? Eine Konversation
mit der Zeit? Das ist doch Illusion!
Völlig unvorbereitet auf diese Chance
platzt erstmal Verzweiflung aus mir heraus:

„Zu lang, zu kurz, zu früh, zu spät
ich wüsst´ gern, wie man mit dir geht
ohne Stress und Langeweile,
ohne Druck, Zensur und Eile.

Verrat mir, was ich falsch mach
sag mir, was du von mir willst,
mir reichts, dass du so gnadenlos
mit meinen Nerven spielst
und ich stets den Eindruck hab,
ich werd dir nie gerecht –
ein paar Tipps aus erster Hand
wären zur Zeit nicht schlecht!“

Für sekundenlange Ewigkeit
macht sich Totenstille breit …
doch dann antwortet die Zeit:

„Vielleicht hast du´s vergessen:
Ich hab mich nicht erfunden!
Ihr selbst habt euch vor langem
an die Idee gebunden,
ein Medium zu schaffen
das ihr beherrschen könnt
ein Medium zu schaffen
das euch von allem trennt,
was natürlich funktioniert.
Das Leben selbst ist einfach,
doch ihr mögt es kompliziert.

Ihr möchtet alles strukturieren
messen, drehen und manipulieren,
vor- und zurückspulen,
stoppen, pausieren,
mal ausdehnen, mal komprimieren,
verlängern, verkürzen, verpassen, vergessen
ihr seid von der eig´nen Erfindung besessen
und wollt, dass ich verlässlich bin,
denn selber kriegt ihr das nicht hin.

Und wäre das nicht schon genug
badet ihr im Selbstbetrug!
Ihr glaubt, ich leb in einer Uhr
zähle eure Stunden stur
und wache über das Geschehen
der Zeiger, denn die sollen sich drehen
begleitet durch ein „tick-tack“
von Jacques Lemand bis FlikFlak.

Und als ob das noch nicht genüge
glaubt ihr die Multitasking-Lüge,
spaltet meine Persönlichkeit
so wie´s euch gerade freut
denn am Ende wollt ihr siegen
und nicht der Taktfrequenz erliegen
auf die ihr insgeheim so schwört –
mal ehrlich, ist das nicht gestört?

Ich könnt mich noch so sehr bemühen
eure Wünsche zu erfühlen
wenn die sich minütlich wandeln
worüber soll´n wir jetzt verhandeln
sofern man mal bei Seite schiebt
dass es mich faktisch gar nicht gibt?“

Tick-tack-tick-tack-tick-tack – STOP!

„Wenn du gar nicht existierst, wie kommt´s
dass du mit mir telefonierst?
Oh, mein Fehler, das ist ja ein Traum
hier in diesem Matrix-Raum.

Wenn ich aufwach, jedoch
bleibt mein Zeitproblem,
das sich scheinbar nicht bequem
im Vorbeigehen lösen lässt …
… gut, dann stell ich mich dem Test!
Zeit!!!
Wenn ich bislang am Holzweg war
sag mir einfach klipp und klar
mir und allen Menschen auf Erden:
WIE können wir Freunde werden?“

Tick-tack-tick-tack-tick-tack – GERN.

„Nichts ist einfacher als das.
Sag dem Verstand, er soll runter vom Gas.
Hör auf, mich zu spalten
und zu konservieren.
Zeit lässt sich nicht halten,
du kannst sie nur spüren
und zwar genau im Hier und Jetzt,
wenn du atmest und lächelst und
einfach nicht hetzt,
wenn du aufhörst zu warten,
die Gegenwart schätzt.

Wenn du voll und ganz da bist …
nicht im Gestern oder Morgen,
red nicht ständig von früher,
mach dir weniger Sorgen,
versuch nicht, alles zu erreichen,
fahr so durch´s Leben,
dass deine Weichen
auf etwas zielen, das dir Freude bringt
und Sinn und Frieden – wem das gelingt,
dem gehört die Gunst der Zeit
im Zustand der Zeitlosigkeit.“

Aus meinem Mund, da kommt kein Ton,
verschwunden ist das Telefon,
dafür scheint die Sonne hell.
„Hhhhh …!?! Wie spät ist es?
Ich muss noch schnell …“

Wart, Moment, da war doch was –
ich nehm meinen Verstand vom Gas,
fühl den Atem, fühl mein Leben
als hätt´s mir wer zurückgegeben

im Zustand von Zeitlosigkeit
weil der nach Kultivierung schreit
nur so enden das Hick-Hack
und der Kampf
um jedes „tick-tack“.

Sterben um zu leben

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Schwer wie Blei und müd´,
als hätt ich tausend Stunden
wach gelegen
fühl ich mich – die Kraft reicht kaum,
um einen Muskel zu bewegen.

Leise strömen Atemzüge
unbeteiligt ein und aus
während ich gefangen lieg´
im selbstgebauten Nebelhaus

wo Blicke in die Ferne schweifen
ohne etwas zu erkennen,
denn jeder Funke Klarheit
scheint vor mir davonzurennen.

Bin nüchtern und doch zugedröhnt
ja, vollgepumpt mit Illusionen,
deren Sog mich kentern ließ –
dabei hätt ich geschworen
es würde sich lohnen

noch festzuhalten, dranzubleiben
mich noch weiter aufzureiben
standhaft kämpfend für ein Ziel
dass ich so doch gar nicht will
und

genau diese Momente sind´s
aus denen Fragen sich erheben,
die sich schon and´re Köpfe stellten:
„Muss ich denn sterben, um zu leben?“

Dieses Flehen nach der Wende
im Schicksal jedes Sisyphus:

„Ach, möge diese Last verschwinden
bevor ich dran krepieren muss,
hätt´ die Tortur doch mal ein Ende,
wär bloß mit den Strapazen Schluss!“

Dieses Flehen bleibt ungehört
wie ein schallgedämpfter Schuss.

So lieg ich da, ich lieg und warte
auf die Heilung meiner Wunden,
jonglier´ gedanklich mit Optionen,
mein Verstand dreht Ehrenrunden

um mich weiter zu versorgen
mit Ideen, die ich schon kenn,
die dann dafür sorgen,
dass ich schon morgen
voll … in die nächste Sackgasse renn´.

Was also tun, wenn aus alten Ideen
keine Lösungen mehr entstehen?
Was also tun, und warum und für wen,
wenn wir uns doch nur im Kreise drehen

und das Flehen nach der Wende
im Schicksalsmodell Sisyphus
am Ende ungehört verhallt
wie ein schallgedämpfter Schuss?

Mir bleibt nur eine Möglichkeit
die effektiv und unmelancholisch
basierend auf dem Wunsch zu leben (!)
bedingt, dass ich tatsächlich symbolisch
hier und heute sterbe –
und zwar aus freien Stücken.

Dass genannte Möglichkeit
nach etwas mehr Erklärung schreit,
seh ich an euren Blicken … *pause*

Sterben ist … für viele das Schlimmste,
was passieren kann
und doch fängt so – genau genommen –
bloß ein neuer Zyklus an:

Kein Baum macht je ein Drama draus
fallen ihm die Blätter aus
der Krone
er steht dann ´ne Weile ohne
da
nur um schon im nächsten Jahr
neue Triebe zu empfangen
und wieder in seine Kraft zu gelangen.

Sterben an sich ist also natürlich.
Wie kommt´s dann,
dass wir´s so verachten,
dass wir dem Tode übergebührlich
vehement nach dem Leben trachten?

Wer fleht denn hier,
die Last soll verschwinden?
Wer glaubt denn, dass er krepieren muss,
dass die Tortur kein Ende nimmt
wer glaubt an Strapazen bis zum Schluss?

Es ist … Klein Ego, das sich klammert
an das Elend, weil´s das kennt.
Es ist Ego, das hier jammert
und schreit und flucht und bitter flennt,

sobald es sie bedroht sieht
die formgebende Existenz,
die der Tod ihm nehmen könnt´
in allerletzter Konsequenz.

Ego nährt sich vom Drama,
es braucht die Probleme,
schiebt die Verantwortung gern auf Systeme,
Naturphänomene und auf all jene,

die mal dafür zu sorgen hätten,
dass es sich frei entfalten kann,
die kommen sollen um es zu retten
aus beklemmenden Ohnmachtsgefühlen,

die jenen trotziger Kinder gleichen,
welche drauf hoffen,
jemand würd sich erweichen
und ihrem Schmerz ein Zuhause geben,
dann bräuchten sie noch nicht zu sterben,
dann könnten sie irgendwie weiterleben.

Doch der Mensch bleibt versklavt
in diesem Spiel,
wo das Ego stets
Liebe und Recht haben will
und das auch unbeirrbar fordert –
es sei denn, es wird herab beordert

weil ich nun diesen Thron bewohn
als freie Instanz, frei von der Arroganz
mit dem Tod verhandeln zu wollen,
anstatt dem Leben Respekt zu zollen.

Und ja, allein dieser Entschluss,
dass sich am Thron was ändern muss
löst es auf, mein Nebelhaus
und macht mit den Strapazen Schluss.

Die Möglichkeit, die mich befreit
von tausend Stunden Müdigkeit,
die mich entlässt aus Illusion
und mir Klarheit schenkt als Lohn

heißt: mir die Irrtümer vergeben –
die müssen sterben, nur so kann ich leben
und etwas tun, wenn aus alten Ideen
keine Lösungen mehr entstehen.

Ich muss mich nicht für irgendwen
permanent im Kreise drehen,
ich muss nicht sterben um zu leben,
ich kann die Rollen neu vergeben:

Die Seele als Regentin im Schloss
und mein Ego als Diener –
nicht mehr als Boss.

Denn so erhält auch Sisyphus
statt schallgedämpftem Gnadenschuss
das, was er sich lang schon wünscht:

Ein Danke und ´nen Abschiedskuss.

 

Videodreh für das Projekt „Ich will mehr“

Es war ein ungewöhnlich kaltes Septemberwochenende.
Ausgestattet mit Motiviation und Technik spazierte ein kleines Team durch die Wiener Innenstadt und drehte stundenlang für ein knapp 3-minütiges Slamvideo.

Warum?
Im Frühjahr kam eine Mailanfrage vom der Initivative Junge Kirche, ob ich einen Slamtext beisteuern möchte für das Projekt „ICH WILL MEHR“.
Obwohl ich der katholischen Kirche schon vor langem den Rücken gekehrt habe, klang die Idee interessant.
Mit Gott und Glaubensfragen komm ich nämlich gut klar, also hab ich auf Wunsch ein wenig am Originaltext von „Wofür es sich zu leben lohnt“ gefeilt.

Und diese „Special Edition“ haben wir dann Wind und Kält trotzend aufgenommen.
In der Rotenturmstraße. In der Griechengasse. Am Donaukanal. Auf der Hauptuni. Im Arkadenhof.

Schön war´s!
Danke an das tolle Projektteam und die Filmcrew 🙂

Falls du bis hierher gelesen und nicht schon weiter oben neugierig warst:
Hier geht´s zum YouTube-Video

Poetry2go – Mini-Poesie für die Seele

Ich hab dieses kleine Notizbuch, das ich seit zwei Jahren mit mir herumtrage. Wenn mir unterwegs Text-Ideen kommen, schreib ich sie da rein. Um „später“, „in Ruhe“, „irgendwann mal“ einen „richtigen“ Text draus zu machen.

Problem: Aus den meisten dieser 4- bis 8-Zeiler wurde irgendwie nie ein Bühnentext. Sie blieben einfach versteckt in diesem Schmetterlings-Notizbuch.
Doch damit ist jetzt Schluss!

Ladies and Gentlemen, I´m proudly presenting: * Poetry2go *
Das sind selbst verfasste und (!) selbst illustrierte Mini-Gedichte.
Von mir. Für euch.

Wo ihr die kleinen Kunsthappen finden könnt?
Gleich hier auf dieser Seite (einfach runterscrollen) und auch auf Facebook, Instagram und Pinterest.

Nehmt sie mit in euren Tag.
Lasst euch davon inspirieren.
Und NATÜRLICH dürft ihr die Bilder teilen, weiterleiten, kommentieren, aufs Handy laden, ausdrucken, sie euch tätowieren lassen (davon will ich dann aber ein Foto sehen, hihi).

Ich wünsch euch viel Freude damit!
Alles Liebe,
Sabine 🙂

 


Rückblick, Augenblick und Ausblick 2017

Liebe Leute, Freunde, Freundinnen, Follower, Fans, Community –
ich hoffe ihr genießt den Sommer!

Mir persönlich ist es grad zu heiß für alles (36 Grad sind einfach nicht mein Ding, echt nicht), und trotzdem wollte ich heute wieder mal was schreiben. Nein, sorry – keinen Slamtext, „nur“ einen Blogbeitrag, um euch zu erzählen, was so los war in den letzten Monaten und was derzeit bzw. demnächst ansteht.

Also falls ihr neugierig seid, here we go:

Jänner: Ich hab begonnen in einer Mittelschule zu unterrichten. Der Einstieg war ziemlich krass, hab mich aber recht schnell aklimatisiert und in den Deutschstunden mal ausgetestet, welches kreative Potenzial in den 10-15jährigen steckt. Einige der Kids haben mich echt überrascht, kann ich euch sagen. Da geht noch was!

Februar: Planungs- und Konzeptionsphase. Eventorganisation. Workshopanfragen von Schulen. Viel Vorbereitungsarbeit im Hintergrund. „Ein Königreich für eine Assistentin oder einen Sekretär!!“
(Fragt meinen Papa – ich hab das tatsächlich auf die letzte Weihnachtswunschliste geschrieben, nur irgendwie gab´s scheinbar Lieferprobleme!?).

März: Yeah, Workshops! Ich liebe Workshops in Schulen. Vor allem mit so unterschiedlichen jungen TeilnehmerInnen. War in einer Mehrstufenklasse (10-13jährige) in Wien und in einer Maturaklasse (Purkersdorf) im Einsatz. Und ich sags euch: Da kamen tolle Sachen raus, echt! So toll, dass ich auf die Kids und deren Lehrerinnen ganz stark eingeredet hab, sie sollen sich unbedingt zur Teilnahme am Wiener Schul-Poetry-Slam anmelden. Haben sie auch getan, aber dazu später.
Obwohl ich noch Bühnenpause hatte, ließ ich es mir nicht nehmen, den Poetry Slam beim Kinderliteraturfestival im Palais Auersperg zu eröffnen. Das Lustige war, dass ich mit einigen Kids aus meiner Schule dort war und die zum Teil echt doof geguckt haben, als ich plötzlich auf die Bühne gehüpft und „Gesichter“ vorgetragen hab. Wenn ich nicht grad in der Schule war oder Workshops anstanden, hab ich an meiner ersten Abenteuergeschichte geschrieben für ein tolles Wiener Volksschulprojekt namens „Monsterfreunde“. Das wird im Herbst in ganz vielen Wiener Volksschulklassen (vor-)gelesen. Tolles Gefühl!

April: Wiener Schul Poetry Slam, die Zweite. Nach dem Debut 2016 ging die Veranstaltung auch dieses Jahr wieder an der Pädagogischen Hochschule Wien über die Bühne. Was soll ich sagen … ich war so stolz. SO STOLZ.
Stellt euch mal vor, da gabs einen Jungen aus meinem Workshop, der hatte 4 Wochen zuvor noch nicht mal von Poetry Slam gehört, und dann schreibt der gleich mehrere Texte, seine Eltern tippen das Ganze ab am Computer weil er das noch nicht selbst kann, er stellt sich vor einem vollen Saal allein auf die Bühne, packt den Zettel aus, grinst ins Publikum, schleudert den Zettel demonstrativ von sich weg und trägt seine Gedichte vor. Auswendig. Fesselnd. Mit ganz viel Freude. So, als hätt er nie was anderes gemacht. DAS, meine Lieben, das sind die Momente wo du erkennst: Das, was du tust, ist größer als du selbst. Das, was du tust, bewirkt etwas.
Eines der Mädls aus der Maturaklasse hat den 1. Platz in der Kategorie Sekundarstufe gemacht, und die Klasse, die ich 2016 gecoacht hatte, schnappten sich diesmal den 1. Platz in der Kategorie Volksschule. Falls euch das alles zu abstrakt ist, hört doch mal rein – hier gibt´s den Live-Mitschnitt vom Wiener Schul Poetry Slam 2017 (ab Minute 18:30 starten die Performances) und einen richtig tollen Zeitungsbericht über die Veranstaltung 🙂

Mai: Letzte Vorbereitungen für den 4. PH-Slam. Als Hauptorganisatorin hatte ich zuletzt eine Menge zu tun (Bücherspenden besorgen, Förderanträge schreiben, mich um die Bewerbung kümmern mit Flyern, Plakaten, Mundpropaganda, Facebook, ÖH-Newsletter usw.) und dann? Was dann?!
Dann war an genau diesem Nachmittag das Wetter so dermaßen schön, dass wir kaum Publikum hatten weil vermutlich alle im Freibad gelegen sind. Egal, wir haben uns davon nicht die Stimmung verderben lassen – tolle junge Poeten und Poetinnen haben gezeigt, was sie draufhaben … und ich hab´s mir nicht nehmen lassen, an diesem Tag mit frischem Text im Gepäck mein inoffzielles Bühnencomeback zu feiern.

Juni: Mein offizielles Bühnencomeback. Und zwar nicht irgendwo, sondern beim Slam Cup! Ja genau, dort, wo die Stars aus Deutschland und Schweiz sich mit den LokalmatadorInnen matchen. Und ganz ehrlich – nach einem Applaus-Battle (das sogar wiederholt werden musste weil vorerst uneindeutig) gegen eine Szenengröße wie Volker Strübing auszuscheiden, das ist keine Niederlage. V.a. wenn im Anschluss Leute zu dir kommen und dir zu deinem Text gratulieren und bedauern, dass sie nicht mehr von dir hören konnten an diesem Abend.
Beim 7. Uni Wien-Slam hatte ich mehr Glück und durfte den Pokal für den 2. Platz mit nach Hause nehmen (auf der Webseite steht zwar Platz 3, doch ich hab den Gegenbeweis auf meinem Trophäenregal stehen!).
Ein weiteres Highlight: Ich durfte auf der Bühne der Wiener Stadthalle stehen! Zwar „nur“ ehrenhalber als Teammitglied der „Monsterfreunde“, für das ich seit letztem Jahr als freie Autorin arbeite, doch das war ein unvergesslicher Moment. Die Wiener Stadthalle, ich sag´s wie´s ist: Da will ich gern mal auftreten irgendwann …

Juli: Planungsarbeit. Kooperationen. Projektplanung. Hab einen großen Deal an Land gezogen (also genau genommen wurde ich an Land gezogen) und darf im Herbst im Wiener Rathaus slammen. Wie cool ist das bitte? Außerdem darf ich einen Text beisteuern (plus Tonstudiosession und Videodreh) für ein Projekt der Jungen Kirche. Das Schärfste ist erst letzte Woche passiert:
Ich denk mir vor kurzem so hmmmmm, vielleicht sollt ich mal die Wiener Volkshochschulen anschreiben ob die Interesse haben, Poetry Slam irgendwie in ihr Kursprogramm einfließen zu lassen … ja, mach ich im August. Tja, das Universum war schneller – letzte Woche schreibt mir auf Empfehlung (danke Anna!) die Programmkoordinatorin der Volkshochschule im 5. Bezirk, ob ich Bock hab auf eine Kooperation, und zwar noch diesesn Herbst. Klar hab ich Bock. Im August werden die Details ausverhandelt.

August: Hat grad erst begonnen, doch es steht einiges an! Inhalte konzipieren für meine beiden Fortbildungsseminare an der PH Wien Ende September („Ich reim´mir was zusammen“ und „An den Lippen hängen“), neue Texte schreiben (ja ich will nach wie vor im Spätherbst „Slamgeschichten Episode 2“ rausbringen, auch wenn ich mir im Moment ehrlich gesagt niiiiicht vorstellen kann, wie und wann ich das tatsächlich schaffen soll, aber egal, ich schau einfach wie weit ich komme), Auftragstexte schreiben, Songtexte schreiben für zwei neue „Monsterfreunde“-Lieder, …

UND, last but not least:
Ich hab mir wieder was Neues überlegt für euch … am 4. August startet „Poetry2go“ auf Facebook, Instagram und Pinterest 🙂

 

Im September geht wieder die Schule los.
Wann ich wieder auf der Bühne stehe?
Ab Herbst denk ich. Sobald ich Genaueres weiß, findet ihr die Infos unter „Termine“!

Hab ich was vergessen? Glaub nicht.
Bleibt mir nur zu sagen: Keep cool & stay fresh!

Alles Liebe und bis bald,
Sabine 🙂

Die Sprache liegt im Krankenhaus

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Ich ging neulich ins Krankenhaus
um alte Freunde zu besuchen,
und saß da mit Respekt und Bildung
gemütlich plaudernd
bei einem Stück Kuchen

als ich ein Gespräch vernahm
vor dem Zimmer, draußen am Gang
wo eine der Schwestern
zur anderen raunte:
„Wie geht’s der Patientin im Raum nebenan?“

„Schaut nicht gut aus, die Alte,
voll apathisch und verwirrt,
schlechte Werte, will nix essen …
weiß nicht, ob die wieder wird?“

Fragend blick ich in die Runde,
und Frau Bildung klärt mich auf:
„Sie reden grad über Frau Sprache –
die Gute war schon besser drauf.“

Ich verabschiede mich höflich
und schleiche in das Nachbarzimmer
hatte hier schon viel gesehen, doch
dieser Anblick war viel schlimmer
als ich es befürchtet hatte:

Da lag eine blasse Frau
in spitalsgemäßer Robe
starrte an die Decke
und zitierte Mira Lobe:

„Ich bin, ich bin, ich weiß nicht wer,
dreh mich hin und dreh mich her
dreh mich her und dreh mich hin
möchte wissen, wer ich bin.“

Die Sprache lag, so abgemagert,
dass ich sie kaum erkennen konnte
in diesem kargen Raum gelagert
sie, die mal so vornehm wohnte …

Die Haare, die einst seidig glänzten
stark zerzaust und ungepflegt
die schwachen Beine waren aufgrund
der Kreislaufschwäche hochgelegt.

Sie hatte ein Geschwür im Magen
schon 2x wollt´ ihr Herz versagen,
Muskelschwund, Epilepsie
und nun, wie´s schien, auch Amnesie!

Kaum angerührtes Essen
ein noch volles Wasserglas
Brille, Stift, ein Kreuzworträtsel,
ob sie zumindest etwas las?

Auf ihrem Nachttisch lag der Chronikteil
der „Heute“-Zeitung aufgeschlagen
DAS gibt man ihr als Medizin?
Sowas verdirbt ja MIR den Magen!

Ich lief nach Hause und riss blindlings
alle Bücher vom Regal,
packte meinen Rucksack voll,
rannte wieder ins Spital,

setzte mich ans Bett der Sprache,
rückte nahe an ihr Ohr
und die ganze Nacht hindurch
las ich ihr Geschichten vor
von Jane Austen bis Karl May –
fast alle hatte ich dabei:

Shakespeare, Goethe, Schiller, Kafka,
Hoffmann, Edgar Allan Poe,
Hesse, Rilke, Brecht, Fontane,
Astrid Lindgren sowieso,

Dickens, Tolkien, Stephen King,
Hemingway, Gebrüder Grimm,
Oscar Wilde und Erich Kästner,
da staunte selbst die Krankenschwester!

Dürrenmatt und Salinger,
Mark Twain und Thomas Mann,
und wisst ihr was? Die Sprache,
sie fing wieder zu strahlen an.

Die blassen Wangen wurden rosa
die Augen blitzten frech-charmant
gestärkt von Lyrik und von Prosa
saß sie da, fast elegant.

Ich fragte: „Wie ist das passiert?
Was hat dich so geschwächt?“
„Naja“, sprach sie, „ich kam
mit den Sanktionen nicht zurecht:

Zuerst die SMS-Diät
mit 160 Zeichen –
ich war dagegen, doch ihr meintet:
Nein, das müsse reichen.

Also weg mit Adjektiven,
Konjunktiven, Genitiven,
weg mit Interpunktion,
denn wer braucht sowas schon?

Großbuchstaben sind nicht trendy
dauert viel zu lang am Handy
und all meine Gefühle
die ich so gern behalten hätte
habt ihr einfach umgewandelt
zur Emoticon-Palette.

Aus jedem langen Wort
habt ihr ´ne Abkürzung gebaut
was blieb mir noch zu sagen?
Mein Werk, es war versaut!

Mitanzusehen, dass ihr mich
nicht mehr zelebriert
sondern in jedem Alltagskontext
aufs Banalste reduziert

und alles, wofür ich stand, vergesst,
mich orthographisch denunziert
für´s Lesen seid ihr zu gestresst,
ich fühlte mich wie ausrangiert.

Bald wollt ich nichts mehr
zu mir nehmen,
traute mich kaum noch hinaus.
Irgendwann kippte ich um
und kam ins Krankenhaus.

Wie lange ich hier bleiben muss,
kann derzeit niemand sagen.
Doch dank Erlebnissen wie heute
will ich nochmal das Hoffen wagen.“

Die Sprache seufzte und
schlief ein, weil sie müde war.
Ich wischte meine Tränen ab
und mir wurde klar:

Wenn wir die Sprache
nicht mehr ehren
tja, dann wird sie sterben.
Es liegt an uns, sie gut zu nähren
denn wir sind ihre Erben.

Zensiert euch nicht für Twitter,
weil 140 Zeichen
für bewegende Geschichten
nie und nimmer reichen.

Erst wenn wir die Wortvielfalt
wieder zur Kunst erheben,
kann neben Bildung und Respekt
auch die Sprache überleben.

Neue Texte auf SoundCloud

Nur ganz kurz:

Homestudio CHECK!Ich hab die schulfreie Woche genutzt, um endlich (!!) neue Tracks aufzunehmen von Slamtexten, die in den vergangenen Monaten entstanden sind.

Sowohl auf Deutsch als auch auf Englisch.

Hat Spaß gemacht – bin gespannt, wie sie euch gefallen 😉

Hier könnt ihr reinhören

Alles Liebe,
Sabine

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