Zeitgeschehen

 

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Ich bin engagiert, nehm mir gerne viel vor
nur oftmals wird daraus ein Eigentor.
Weil A plötzlich viel länger dauert
und B noch auf sich warten lässt,
weil ich wegen C zu spät komm
und D mich dann auch noch stresst

sodass die Euphorie des Morgens
am Abend der Erkenntnis weicht:
Den ganzen Tag war ich beschäftigt
und ich hab fast nichts erreicht.

Dabei geb ich mir echt Mühe!
Im Planen bin ich wirklich gut
Erfahrung hätt ich auch genug
woran liegts? Ich fühle Wut

denn früher waren die Zeit und ich
ein richtig gutes Team
doch seit ´ner Weile haut das mit uns
einfach nicht mehr hin

und während ich so rätsle, bei wem
denn jetzt der Fehler liegt
fallen meine Augen zu,
das Sandmännchen hat mich besiegt
und in einen Traum geschickt …

Düst´re Stimmung, wie bei „Matrix“.
Ein Raum, ein Tisch, ein Telefon.
Ich geh drauf zu und hebe ab
hey, da ist ein Freizeichenton
grad möchte ich wählen, da wird es still
und ´ne Mailbox springt an,
die mir sagen will:

„Hier spricht die Zeit – tick tack
tut mir unendlich leid – tick tack
hast mich grade verpasst – tick tack
sei doch morgen mein Gast – tick tack.“

Ich denk mir „okaaay“ und leg wieder auf
doch der Traum nimmt seinen Lauf …
das Telefon klingelt, ich heb nochmal ab und
die Stimme von eben, die lacht sich fast schlapp:

„Das war ein Scherz – so viel Zeit muss sein,
Humor entspannt mich ungemein!
Doch Smalltalk, der nervt mich,
also sag an, was ich für dich tun kann!“

Du liebe Zeit! Es gibt so viele Fragen
die liegen der halben Menschheit im Magen,
wo fang ich bloß an? Eine Konversation
mit der Zeit? Das ist doch Illusion!
Völlig unvorbereitet auf diese Chance
platzt erstmal Verzweiflung aus mir heraus:

„Zu lang, zu kurz, zu früh, zu spät
ich wüsst´ gern, wie man mit dir geht
ohne Stress und Langeweile,
ohne Druck, Zensur und Eile.

Verrat mir, was ich falsch mach
sag mir, was du von mir willst,
mir reichts, dass du so gnadenlos
mit meinen Nerven spielst
und ich stets den Eindruck hab,
ich werd dir nie gerecht –
ein paar Tipps aus erster Hand
wären zur Zeit nicht schlecht!“

Für sekundenlange Ewigkeit
macht sich Totenstille breit …
doch dann antwortet die Zeit:

„Vielleicht hast du´s vergessen:
Ich hab mich nicht erfunden!
Ihr selbst habt euch vor langem
an die Idee gebunden,
ein Medium zu schaffen
das ihr beherrschen könnt
ein Medium zu schaffen
das euch von allem trennt,
was natürlich funktioniert.
Das Leben selbst ist einfach,
doch ihr mögt es kompliziert.

Ihr möchtet alles strukturieren
messen, drehen und manipulieren,
vor- und zurückspulen,
stoppen, pausieren,
mal ausdehnen, mal komprimieren,
verlängern, verkürzen, verpassen, vergessen
ihr seid von der eig´nen Erfindung besessen
und wollt, dass ich verlässlich bin,
denn selber kriegt ihr das nicht hin.

Und wäre das nicht schon genug
badet ihr im Selbstbetrug!
Ihr glaubt, ich leb in einer Uhr
zähle eure Stunden stur
und wache über das Geschehen
der Zeiger, denn die sollen sich drehen
begleitet durch ein „tick-tack“
von Jacques Lemand bis FlikFlak.

Und als ob das noch nicht genüge
glaubt ihr die Multitasking-Lüge,
spaltet meine Persönlichkeit
so wie´s euch gerade freut
denn am Ende wollt ihr siegen
und nicht der Taktfrequenz erliegen
auf die ihr insgeheim so schwört –
mal ehrlich, ist das nicht gestört?

Ich könnt mich noch so sehr bemühen
eure Wünsche zu erfühlen
wenn die sich minütlich wandeln
worüber soll´n wir jetzt verhandeln
sofern man mal bei Seite schiebt
dass es mich faktisch gar nicht gibt?“

Tick-tack-tick-tack-tick-tack – STOP!

„Wenn du gar nicht existierst, wie kommt´s
dass du mit mir telefonierst?
Oh, mein Fehler, das ist ja ein Traum
hier in diesem Matrix-Raum.

Wenn ich aufwach, jedoch
bleibt mein Zeitproblem,
das sich scheinbar nicht bequem
im Vorbeigehen lösen lässt …
… gut, dann stell ich mich dem Test!
Zeit!!!
Wenn ich bislang am Holzweg war
sag mir einfach klipp und klar
mir und allen Menschen auf Erden:
WIE können wir Freunde werden?“

Tick-tack-tick-tack-tick-tack – GERN.

„Nichts ist einfacher als das.
Sag dem Verstand, er soll runter vom Gas.
Hör auf, mich zu spalten
und zu konservieren.
Zeit lässt sich nicht halten,
du kannst sie nur spüren
und zwar genau im Hier und Jetzt,
wenn du atmest und lächelst und
einfach nicht hetzt,
wenn du aufhörst zu warten,
die Gegenwart schätzt.

Wenn du voll und ganz da bist …
nicht im Gestern oder Morgen,
red nicht ständig von früher,
mach dir weniger Sorgen,
versuch nicht, alles zu erreichen,
fahr so durch´s Leben,
dass deine Weichen
auf etwas zielen, das dir Freude bringt
und Sinn und Frieden – wem das gelingt,
dem gehört die Gunst der Zeit
im Zustand der Zeitlosigkeit.“

Aus meinem Mund, da kommt kein Ton,
verschwunden ist das Telefon,
dafür scheint die Sonne hell.
„Hhhhh …!?! Wie spät ist es?
Ich muss noch schnell …“

Wart, Moment, da war doch was –
ich nehm meinen Verstand vom Gas,
fühl den Atem, fühl mein Leben
als hätt´s mir wer zurückgegeben

im Zustand von Zeitlosigkeit
weil der nach Kultivierung schreit
nur so enden das Hick-Hack
und der Kampf
um jedes „tick-tack“.

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