Slam, Satz und Sieg – die erste Trophäe

Ich habs mir ganz klein vorgestellt.
Ein Mini-Event mit 2-3 Teilnehmern. Höchstens.
Und nach einer halben Stunde ist es vorbei, ohne dass mehr als 10 Leute davon Notiz genommen hätten.

Fehlanzeige!

Mit meinen Texten in der Tasche spaziere ich durch die Mensa, drücke die Tür zum Innnenhof auf und glaube mich trifft der Schlag: Da! sitzt!! SIE!!! Die bekannteste Slammerin des Landes! Auf einer Heurigenbank, lacht und scherzt mit Leuten die ich nicht kenne und kaut genüsslich an einem Weckerl herum. OMG!

Ich marschiere so gefasst wie möglich auf M. zu, den ich ja schon vom Workshop kenne und der gerade einen Soundcheck macht. Dass er mich sofort erkennt und begrüßt, entspannt mich ein wenig. „Komm mit“, sagt er, schiebt mich vor sich her in Richtung der anderen und sagt laut: „Darf ich euch jemanden vorstellen?“
SIE grinst mich an, steht auf, stellt sich mit ihrem offiziellen Vornamen vor und schüttelt mir die Hand. Einer nach dem anderen steht ebenfalls auf und begrüßt mich – damals war mir zum Glück nicht klar, dass ich gerade mit den erfolgreichsten nationalen Slammern zusammenstehe und mich gleich in einem echten Slam-Battle mit ihnen messen würde. Ich setze meinen Namen auf die Teilnahmeliste und mache es mir mit meiner Freundin auf der Bank neben IHR(!!) gemütlich. Die Sonne kämpft sich durch die Wolken und ich bin aufgeregt.

Das Publikum lasst sich an einer Hand abzählen, aber wir starten trotzdem.
M. übernimmt die Moderation, erklärt die Spielregen und sorgt mit Sprechchören und Applaus-Übungssequenzen für Stimmung.

1. Runde: 8 PoetInnen treten im k.o.-System, welches gelost wird, gegeneinander an. Per Publikumsvoting wird entschieden, wer in die nächste Runde aufsteigen darf. Und mein Text „Ich will“ kommt so gut an, dass ich aufsteige. Juhu!

2. Runde: 4 PoetInnen, wieder k.o.-System, wieder Publikumsvoting. Diesmal trage ich „Große Fragen“ vor. Und komme erneut weiter. Kann es nicht glauben – hab ich gerade wirklich die Grande Dame der Szene aus dem Rennen gekickt?!

ph_slam23. Runde: Jetzt sind wir nur noch zu zweit. Ich habe zwar noch einen Text übrig, den ich extra zum Thema dieser Veranstaltung geschrieben habe, aber den kann ich nicht auswendig. Mit dem Zettel in der Hand zittere ich so stark dass es aussieht als hätte ich einen Parkinsonanfall.

Mein Kontrahent ist großartig. Ich liebe seine Geschichte, seinen Vortragsstil, seine Mimik und Gestik – also ich hätte definitiv für ihn gevotet!
Doch die mittlerweile zahlreichen Zuschauer entscheiden sich…für ein Untentschieden.

Wir bekommen beide einen Extrapunkt vom Publikum verliehen und haben Punktegleichstand!! Und da es sich für mich hier um ein Heimspiel handelt, überlässt mir mein Mitstreiter die Trophäe für den 1. Platz.

Fotoshooting, Glückwünsche, Geschenkeverteilung, Danksagungen, Small-Talk, positives Feedback…ich komme aus dem Grinsen und Staunen fast nicht mehr heraus. WAS IST DENN DA BITTE LOS?
Ich match mich nichtsahnend mit großartigen Leuten, die seit Jahren auf (inter-)nationalen Bühnen stehen und geh mit dem 1. Platz nach Hause?!

Endorphinrausch pur 😀

ph_slam1

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